Die Beschäftigung des Hundes ist ein wichtiges Thema in der Hundewelt.

Ich decke heute 5 Mythen auf, die einem immer wieder begegnen. Eines der ersten Themen, die dir begegnen, wenn du dich mit der Hundehaltung auseinandersetzt, ist die Beschäftigung deines (zukünftigen) Familienmitgliedes. In der Literatur und gern auch in beliebigen Facebook-Hundegruppen oder Foren scheint es immer wieder dieselben Antworten auf Fragen zur Auslastung zu geben.

Ich erlebe oft, dass hier noch viele Glaubenssätze in den Köpfen der Menschen festhängen, die schon lange nicht mehr zeitgemäß sind. Heute möchte ich mit 5 dieser Mythen aufräumen.
Und auch wenn am Ende nicht die „Glücksformel“ für die perfekte Auslastung steht, so kannst du sicher etwas für dich und deinen Hund mitnehmen.

1) „Je mehr Auslastung, desto glücklicher der Hund“

„Mehr“ scheint die Lösung für alles zu sein. Mehr Bewegung, mehr Auslastung, mehr Spiel.
Fragst du Dr. Google, scheint es am wahrscheinlichsten, dass Hunde, die rund um die Uhr beschäftigt werden, am glücklichsten sind. Im Gespräch mit meinen Kunden kommt auch oft ein Gedanke wie „ich kann meinem Hund nicht genug bieten“ mit vor. Um das zu Gefühl zu besänftigen, werden dann weitere Strecken Fahrrad gefahren, öfter gespielt, tollere Spielzeuge gekauft…

Ich sage: Du darfst dich entspann entspannen.
Es kommt nicht auf die Quantität an, nicht auf die Länge der Radstrecke, die Anzahl der Spielzeuge, die Anzahl der Besuche beim Agility. All das kann schön für deinen Hund sein, wenn es für ihn wirklich qualitativ das Richtige ist. Konzentriere dich lieber einmal die Woche voll und ganz auf deinen Hund und mache mit ihm eine Stunde lang das, was ihm wirklich gefällt. Anstatt jeden Tag angestrengt zu versuchen möglichst viel Abwechslung zum Alltag zu bringen. Hunde erleben gern Abenteuer, das stimmt, aber sie mögen auch gerne den Alltagstrott.

Hier kommt sie wieder also, die berühmte Quality-Time. Die ist viel wichtiger, als ständig irgendwas zu machen, nur damit man nicht nichts tut. (Ich halte übrigens auch Nichts-Tun für eine sehr sinnvolle Beschäftigung, das ist ja durchaus kontrovers ;)) Ich lese auch gerne ein tolles Buch statt ganz viele langweilige zur gleichen Zeit.

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2 ) „Du hast Probleme mit deinem Hund? – Dann musst du ihn ganz klar besser beschäftigen.“

Dein Hund kann nicht alleine bleiben, er ist im Freilauf nicht ansprechbar oder pöbelt an der Leine? Glaubt man den Antworten mancher selbsternannter Hundekenner, so ist die Lösung immer: „der ist unterfordert, du musst ihn mehr beschäftigen“.

Tatsächlich erlebe ich im meinem Trainingsalltag mehr Hunde, die aus Überforderung kreative Verhaltensideen entwickeln, als wirklich unterforderte Hunde.
Ich vermute vor ein paar Jahren war das vielleicht noch anders, als es noch nicht allgemein üblich war, mit dem Hund in die Hundeschule zu gehen, oder man sich einfach noch nicht so viele Gedanken gemacht hat. Vielleicht war es damals wirklich so, dass Hunde unterbeschäftigt waren. Heutzutage sind die meisten Hundehalter aber so gut informiert, dass sie sowieso schon „Auslastung“ mit ihrem Hund miteinplanen. Die Tendenz geht eher zum „zu viel“ als zum „zu wenig“. In diesem Fall kann es dann durchaus sein, dass die alltäglichen Probleme, die man so hat, schlichtweg durch zu viel Stress im Hund kommen.

3 Gründe Warum „Auspowern“ nicht hilft um einen nervösen Hund ruhiger zu machen, kannst du hier lesen.

3) „Nur ein müder Hund ist ein glücklicher Hund.“

Wie oft habe ich ähnliches schon gehört: „Wir waren so schön spazieren, Pfiffi ist völlig erledigt und kann jetzt gut schlafen“. Was mir dabei nicht in den Kopf will ist folgendes: Warum sollte es denn gut sein, wenn der Hund „völlig erledigt“ ist? Reicht es nicht, einfach einen tollen gemütlichen Tag zu haben und danach entspannt auf der Couch zu dösen? Muss es denn immer ein extrem sein?

Das ist natürlich völlig überspitzt. Ich bin keineswegs der Meinung, dass es solche Tage nicht geben darf. Natürlich ist es auch mal schön, die Belastungsgrenzen auszuloten und nach dem Gassigehen/ Hundeplatz, … einfach nur umzufallen und den Schlaf der Gerechten zu schlafen. Aber das sollte die Ausnahme und nicht die tägliche Routine sein. Wer hat uns Menschen denn auf die Idee gebracht, dass nur ein ausgepowerter Hund wirklich glücklich ist? Sind dann die ganzen Hofhunde, die den ganzen Tag in der Sonne dösen unglücklich? Ich glaube nicht.

Wer meinen Artikel zum Schlafbedürfnis des Hundes gelesen hat, der weiß, dass Hunde bis zu 20 Stunden am Tag Ruhen und Schlafen. Außer zum Fressen und ein bisschen entspannte Bewegung können wir also davon ausgehen, das die Hunde sowieso immer müde sind.

4) „Ein Hütehund? Oh da hast du aber keine Freizeit mehr, so viel wie der beschäftigt werden muss.“

Ein weiteres gern genommenes Vorurteil in Sachen Beschäftigung ist, dass es Rassen gibt, die den ganzen Tag Beschäftigung brauchen. Ganz vorne werden hier Jagd-, Hüte oder Windhunde genannt. Die Begründung scheint logisch: Das sind Arbeitsrassen und deswegen müssen die ganz viel tun, um glücklich zu sein. Im Grundsatz ist das nicht verkehrt, nur geht es hier nicht um das „wie viel“, sondern um das „was“. Alle Hunde, egal ob Chihuahua oder ein Australian Shepherd, möchten gefordert werden, völlig egal ob aus einer Leistungszucht oder auf dem Bauernhof geboren. Qualitativ sinnvolle Hobbies für unsere Hunde sollten immer so angepasst werden, dass es ihnen und uns Spaß macht und sie gefordert, aber nicht überfordert werden.

Was das Leistungspensum der vermeintlich „vielbeschäftigten“ Hunde angeht: Es gibt keine einzige dieser stark aktiven Rassen, die über das ganze Jahr hindurch im Einsatz waren. Hütehunde hatten dann „Saison“, wenn die Herden draußen waren und dann auch immer nur beim Umtrieb. Windhunde sind für Sprints (schon gar nicht ausdauernde Märsche) während der Jagd gezüchtet, die Jagdsaison in deren Herkunftsländern beträgt allerdings nur 2-3 Monate, den Rest des Jahres kümmerte sich quasi niemand um die Hunde. Und Jagdhunde haben auch ihre Saison. Selbst ein Jagdhund, der heutzutage im Revier im vollen Einsatz ist, hat im Schnitt 30 Tage im Jahr, in denen er seinen „Job“ ausübt. Den Rest ist er ganz normaler Familienhund und kommt mit dem ganz schnöden Alltag wunderbar zurecht und nutzt die Zeit zur Entspannung.

Davon können wir uns im Alltag eine Scheibe abschneiden. Natürlich wollen Hunde Förderung und Action und neue Dinge lernen, aber das muss nicht jeden Tag und auch nicht jede Woche sein. Wie ich in diesem Artikel schon so oft erwähnt habe, die Qualität ist viel entscheidender als nach Stundenplan einfach ein Programm abzuspulen.

5) „Fährtensuche, Agility, Denkspiele, … sind nichts für Bulldoggen, Shelties, Bernhardiner, …“

Anders als bei Nr. 4 begegnen mir auch oft Vorurteile, warum bestimmte Rassen nicht geeignet sind, bestimmte Hobbies auszuüben. Hier bin ich deutlich anderer Meinung. Natürlich gibt es wie überall Rassen, die für verschiedene Dinge optimale Vorraussetzungen mitbringen. Das heißt aber umgekehrt nicht, dass die Rassen, deren Voraussetzungen objektiv schlechter sind, das nicht auch machen können.

Nehmen wir zum Beispiel Mantrailing: Es ist vollkommen logisch, dass hier ein Schweißhund deutlich bessere körperliche Vorraussetzungen mitbringt als eine Bulldogge. Klar, der Schweißhund wurde ja auch für genau diesen Zweck gezüchtet. Die Bulldogge kann jedoch genauso viel Spaß und Erfüllung darin finden. Warum denn auch nicht? Vielleicht wird sie nicht die Fährte von 2km Länge mit 3 Tagen Standzeit laufen können. Na und? Es geht doch um den Spaß an der Sache und nicht „höher, schneller, weiter“. Das Bulldoggen auch richtig Spaß am Trailen haben können, hat Silke von Vawidoo in einem Blogartikel sehr deutlich gemacht.

Klar ist natürlich, dass es durchaus Sportarten gibt, deren körperliche Belastung zu groß ist, um dauerhaft von zB großen, schweren Rassen ausgeführt zu werden. Eine Dogge beim Agility? Das geht sicher mal, aber um es leistungssportlich zu betreiben, wäre die Belastung der Gelenke sicher zu hoch. Gesunder Menschenverstand hilft hier wie überall, das richtige Maß zu finden.

 

Die Illustrationen sind von Aram und Abra, die extra für Hundeblogger neue Grafiken erstellt hat. Wahnsinnig tolle Idee! Das werden wir jetzt öfter nutzen 😉 Danke Mara!

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