Während der Trainingsstunde mit einer meiner Kundinnen bat ich sie, ihren Hund zu sich zu rufen. „Das klappt jetzt sicher nicht, Bobby ist viel zu abgelenkt, da kommt der nie.“, sagte sie. Ich bat sie, es dennoch zu versuchen. Sie rief, Bobby hob den Kopf, dachte nach und entschied sich an Ort und Stelle weiter Zeitung zu lesen.
Ich holte einmal Luft, stellte mir vor wie Bobby mit wehenden Ohren zu mir kam und rief völlig überzeugt sein Rückruf Signal. Und weißt du, was passiert ist? Bobby lies seine Schnüffelstelle links liegen, machte auf dem Absatz kehrt und kam mit Vollspeed in unsere Richtung gerannt. Zufall? Nein ganz sicher nicht! Glück? Auch nicht, denn ich war für Bobby fremd – warum ausgerechnet sollte er zu mir kommen, wenn doch das Schnüffeln so spannend war? Die Lösung: Mein Kopfkino war so positiv gestimmt und zeigte mir genau das, was passieren sollte.

Kopfkino: innere Bilder – Kommunikation auf anderer Ebene

Ich bin kein Zauberer – ganz bestimmt machen Hunde und auch mein Hund nicht immer das, was ich mir vorstelle. Dennoch versuche ich den Hunden das gewünschte Verhalten so einfach wie möglich zu machen. Indem ich mir sehr genau vorstelle, was das optimale Szenario wäre, helfe ich dem Hund zu verstehen, was von ihm erwartet wird.

Hunde kommunizieren über viel feinere Antennen als die meisten Menschen, denn die meisten von uns verlernen das im Laufe der Zeit.
Welche inneren Bilder über unseren imaginären Bildschirm laufen, beeinflusst sehr stark wie unsere Körpersprache sich verändert und die Stimme passt sich an. Wir strahlen genau die Grundhaltung aus, die zu den Bildern passt.

Spielt dein Kopfkino ständig Schreckensszenarien ab oder denkst du ständig wieder an die Situation in der dein Hund letztes Jahr dem Reh hinterhergelaufen ist? Vielleicht kannst du versuchen, diese Filme durch schönere zu ersetzen. Stell dir stattdessen vor, wie dein Hund das Reh sieht, er sich bei dir rückversichert und du ihn ganz entspannt zu dir rufen und anleinen kannst. Dieses innere Bild versetzt dich in eine deutlich entspanntere Haltung und sorgt dafür, dass dein Hund dieser Stimmung folgen kann.

Natürlich wird kein ständiger Jäger allein durch positive Bilder zum gemütlich dahinschlendernden Zeitgenossen, sobald er Wild sieht. Aber wie immer geht es im Hundetraining darum, die einzelnen Puzzlestücke zusammenzusetzen. Dein Kopfkino ist eines davon.

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Kannst du dir das optimale Verhalten deines Hundes vorstellen?

Ganz besonders spannend ist die Arbeit mit inneren Bildern, wenn Kunden wegen starken Verhaltensproblemen ihrer Hunde zu mir kommen. Sagen wir z.B. der Hund ist Artgenossen gegenüber aggressiv und tatsächlich gefährlich zu Trainingsbeginn.

Eine meiner ersten Fragen lautet meistens: „Was ist das Ziel des Trainings, was möchtest du mit deinem Hund erreichen?“
Wenn ich Glück habe, dann wissen die Menschen genau was sie wollen und können das auch formulieren. Im Beispiel: „Ich möchte, dass mein Hund sich sowohl an der Leine als auch im Freilauf Artgenossen gegenüber neutral verhält und zu mir kommt, wenn er Hilfe braucht.“
In den meisten Fällen lautet die Antwort: „Ich möchte, dass er nicht mehr so aggressiv ist.“

Was ist an dieser Aussage denn verkehrt?, fragst du dich vielleicht. Nun: Sicher hast du schon mal davon gehört, dass unser Gehirn das Wort „nicht“ in keinen sinnvollen Kontext bringen kann, weil es für sich genommen keine Bedeutung hat. In unserem Hirn wird aus dem Satz also zunächst „Ich möchte, dass er aggressiv ist“. Hmm, das ist schon mal schwierig. Dazu kommt, dass damit der Zustand beschrieben wird, der verändert werden soll, das Ziel jedoch noch fraglich bleibt.

Wenn du als Mensch, der die Trainingssituation leitet und der seinem Hund etwas beibringen möchte, schon nicht genau sagen kannst, was das Ziel ist, dann wird es sehr schwer, dem Hund das zu erklären.
Versuche also für jedes Training und immer dann, wenn du eine Anforderung an deinen Hund richtest, ganz genau vor Augen zu haben, was das Ergebnis sein soll.

Ein menschliches Alltagsbeispiel

Hundeerziehung innere Bilder beeinflussen beim Hund Verhalten Stimmung KopfkinoZu Weihnachten wünsche ich mir ein Buch. Ein bestimmtes Buch.
Meine Schwester fragt mich, ob ich einen Wunsch habe, den sie mir erfüllen kann.

Wie ich wahrscheinlich nicht das gewünschte Buch bekomme:
-ein Buch
-nichts Gruseliges
-hat ein Mann geschrieben
-nicht so langatmig
-spielt nicht in der Zukunft
-keine Autobiografie

Wie ich genau das Buch bekomme, was ich meinte:
-ein Buch im Taschenbuchformat
-von Terry Pratchett
-Titel: „Echt Zauberhaft“
-erschienen 2015
-Verlag: Goldmann Verlag
-Cover: dunkel, roter Zauberhut, Schmetterling

Die eigene Anspannung überträgt sich und dann passiert „ES“ erst recht

Wir Menschen neigen dazu, geschehene Dinge immer und immer wieder zu durchdenken. Manchmal bleiben wir damit in der Vergangenheit hängen und projizieren bereits Erlebtes auf die Gegenwart. Im Grunde ist das gut, denn aus den Erfahrungen können wir lernen. Gleichzeitig ist das für die Bewertung der aktuellen Situation manchmal eher hinderlich, denn wir können dann nicht mehr wertfrei sehen, was im Hier und Jetzt wirklich passiert.

Ein Beispiel:
Stell dir vor, du warst gestern auf dem Spaziergang und plötzlich springt dein Hund hinter einem Vogel hinterher obwohl ihr das schon so gut geübt hattet. Der Tag war eh schon stressig und es war viel los – du ein dein Hund beide super angespannt. Bei dir gehen alle Alarmleuchten an und du denkst, du musst mit dem Training jetzt wieder komplett von vorne anfangen. Heute gehst du schon angespannt los und scannst die Umgebung ab, um jeden Vogel unbedingt vor deinem Hund zu entdecken. Dein Hund bemerkt die Anspannung und sucht natürlich mit. Du fühlst dich in deiner Sorge bestätigt und wirst noch nervöser – der Film von gestern läuft in deinem Kopf. Ein Vogel hüpft aus dem nächsten Gebüsch – und was passiert? Genau – der Hund springt los.
Was wohl gewesen wäre, wenn du völlig entspannt so wie jeden Morgen weitergegangen wärst?

Sei dir bewusst, dass du deine Stimmung auf deinen Hund überträgst. Wie du gestimmt bist und ob die Aufregung sich in den Vordergrund stellt, das kannst du – besonders in solchen Momenten –  gezielt über deine inneren Bilder steuern.
Du kannst entscheiden, was du denken möchtest.
Möchtest du den Gruselfilm von gestern immer und immer wieder sehen oder möchtest du ihn lieber durch einen anderen ersetzen?
Tief durchatmen und im Moment sein hilft dir die Ruhe zu bewahren und keine Geister zu rufen, die gar nicht da sind.

 

Okay – jetzt bin ich neugierig:
Wie ist das bei dir? Hast du schon einmal bemerkt, dass in deinem Kopf „Gruselfilme“ laufen bevor überhaupt irgendetwas passiert ist? Hast du dich schon einmal bewusst gegen das wenig hilfreiche Kopfkino entschieden und stattdessen einen anderen Film eingelegt?